Gemeinde Schwabhausen
Die Rathaus-Retter

Helfer vor Ort
von links nach rechts: Dr. Karl Wilhelm stellv. Chefarzt d. Kreisverbandes Dachau,
 dahinter in zweiter Reihe Klaus Widmann Leitstellenleiter, Ekkehard Dehn 
Kreisvorsitzender, Bürgermeister Josef Mederer

Im Gemeindebereich Schwabhausen wurde ein "Helfer vor Ort"-System eingerichtet. Ein ganz normaler Bürotag im Schwabhauser Rathaus. Eine Mutter beantragt gerade für ihre kleine Tochter einen Kinderausweis, eine ältere Frau will einen Rentenantrag stellen und in der Gemeindekasse zahlt ein Bürger seine Grundsteuer ein. Plötzlich schrillt ein lautes Pfeifen durch die Büroräume und es ertönt eine Stimme mit Rauschen im Hintergrund „Notfalleinsatz für den Helfer vor Ort Schwabhausen“. Blitzschnell packt der Bürgermeister oder ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung die Notfalltasche und den Defibrillator und bekommt von der Rettungsleitstelle nachdem er sich „einsatzklar“ gemeldet hat die Mitteilung „Bewusstlose Person“. Diese Szene gehört im Rathaus von Schwabhausen zum "Büroalltag". Das Besondere an dieser Einrichtung ist, dass im Rathaus ein Defibrillator und eine Notfalltasche fest installiert sind. Dadurch, dass das Rathaus-Personal Bürgermeister Josef Mederer, Kämmerer Franz Lamm und Dominic Seitz (Leiter des Einwohnermeldeamtes) über die erforderliche Ausbildung verfügt, kann der Helfer vor Ort auch tagsüber alarmiert werden. Nachts und am Wochenende übernehmen ortsansässige Sanitäter die Bereitschaft. „Damit schaffen wir eine hervorragende Voraussetzung für die Verbesserung der Versorgung von Notfallpatienten“, so Bürgermeister Josef Mederer bei der Vorstellung des Projekts. Seinen Angaben zufolge kann damit das sogenannte therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Notarztes wesentlich verkürzt werden. „Diese Zeitersparnis kann lebensrettend sein“, erläutert Mederer. Bei einem Herz-Kreislaufstillstand ist die einzige Behandlungsmöglichkeit der elektrische Schock durch das Herz mittels eines Defibrillators. Steht ein solches ‚Gerät innerhalb weniger Minuten zur Verfügung, erhöhen sich die Überlebenschancen des Patienten enorm. Das Team des Schwabhauser Helfer vor Ort besteht aus rund zehn Rot-Kreuz-Helfern mit teilweise langjähriger Rettungsdienst-Erfahrung größtenteils aus dem Gemeindebereich Schwabhausen. Zusätzlich wurden in den vergangenen Wochen entsprechende Ausbildungen für die Frühdefibrillation absolviert. Der Vorsitzende des Fördervereins Rettungsdienst Dachauer Land „Fredl“, Dr. Karl Wilhelm, begleitet und betreut diese Einrichtung im Landkreis Dachau. Er betont, dass das Frühdefibrillations-Projekt im Landkreis Dachau einzigartig in Deutschland einen Ist-Zustand mit einem Folgezustand vergleichbar macht. Im Landkreis Dachau läuft dieses Projekt zur Erhebung von Reanimationsdaten seit drei Jahren. Obwohl der Landkreis über eine vorbildliche rettungsdienstliche Versorgung verfügt, sterben dort pro Jahr rund 100 Menschen am plötzlichen Herztod. Aufgrund längerer Anfahrtswege kann eine Defibrillation durch einen Notarzt oft erst nach rund zehn Minuten erfolgen. Hier kann der Helfer vor Ort durch eine Frühdefibrillation rettend eingreifen.

Januar 2003

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